Leicht war es, das letzte halbe Jahr über sie zu schreiben. Ich gab mir viel Mühe bei der Wahrheit zu bleiben, wenn ich über sie und uns schrieb. Sicherlich ist das, was ich geschrieben habe, meine Seite der Wahrheit und daher hier und da mal etwas weniger und mal etwas mehr verzerrt. Das kann man mir vorhalten, jedoch kommt es in einer Beziehung doch letztlich auch nur darauf an, wie das Verhalten des Einen beim Anderen ankommt.
Wie gesagt, leicht war es über sie und uns zu schreiben. Heute ist es nicht mehr so leicht, denn jetzt kann ich nicht mehr ihr die Schuld geben. Ganz im Gegenteil. Die Möglichkeit, die mir völlig unwahrscheinlich schien, ist eingetreten. Wir sind wieder "zusammen".
Die Anführungsstriche sollen übrigens meine starke Abneigung zu diesem offiziell-zusammen-und-nicht-zusammen-sein Schwachsinn zum Ausdruck bringen. Meiner Meinung nach sollten sich diese gewissen Verhaltensweisen, die sich in einer Partnerschaft mehr oder weniger selbstständig und selbstverständlich ergeben, nicht nach dieser dämlichen Angewohnheit, die Beziehung in einen gesellschaftlichen Status zu zwängen, richten. Ich kann dem Umstand, dass es gesellschaftlich akzeptiert wird, sobald zwei Menschen nicht "offiziell zusammen" sind, beide keine weiteren Verpflichtungen für den anderen haben, nicht beipflichten. "Wenn die nich zusammen sind, dann könn' die doch jeden poppen, den die wollen, weil die betrügen den anderen ja dann nich", schreit der Pöbel. Ja, sicher. Der eine betrügt den anderen nicht. Dass sich der Nichtbetrogene jedoch in seinen Gefühlen und Hoffnungen dennoch betrogen fühlt, das zählt offiziell nicht.
Aber gut, wir sind wieder "zusammen". Am liebsten würde ich in Zukunft grundsätzlich verneinen, wenn ich gefragt werde ob wir "zusammen" sind und stattdessen sagen: "Nein, wir sind nicht zusammen, wir lieben uns." Damit komme ich nun auch wieder zum eigentlichen Gedanken dieses Beitrags: Ich bin mir nicht mehr sicher.
Diese Worte aufgeschrieben zu sehen, regt mich über mich selbst auf. Diese Worte sehen aus, als hätte sie jemand ausgekotzt, der zu dumm ist über etwas nachzudenken. Nun hoffe ich wenigstens von mir behaupten zu dürfen, dass ich mir Gedanken gemacht habe... ob es nun die richtigen Gedanken waren, ist wohl eine andere Frage.
Ein Ausschnitt meiner Sorgen, wie ein Stück Torf aus einem großen Gedankensumpf, ist wohl die Vergangenheit: Wir hatten ständig Streit und - für jeden offensichtlich - ein Problem. Leider hat bis heute niemand, auch nicht wir beide, verstanden, was das für ein Problem war. Was ist, wenn das wiederkommt? Sie hat mich verlassen. Sie ist weggerannt. Sie hat mich extrem mieß behandelt und mich anschließend regelrecht verarscht. Dazu kommt, dass sie mit meinen Gefühlen gespielt hat, dass das mit Absicht geschehen ist, will ich ihr jedoch nicht vorwerfen. Das wohl schwierigste Thema für mich ist jedoch der Umstand, dass sie es in dem halben Jahr am Umgang mit anderen Typen nicht mangeln lassen hat, ganz im Gegenteil: Das Spektrum, das sie abgedeckt hat, reicht vom sinnlosen Fick über die freundschaftliche Fickbeziehung bis hin zum "Ich weiß, dass er sich in mich verliebt hat, aber ich will doch eigentlich nur ficken". Dazu kommt, dass es nicht sie war, die zu mir zurück gekommen ist, sondern ich derjenige war, der sie angerufen hat. Noch vor weniger als zwei Monaten war ich bei ihr und damals war da nichts mehr. Woher kommt der plötzliche Sinneswandel und woher soll ich wissen, dass es nicht eine ihrer Phasen ist, die sich morgen wieder ändert? Obendrauf werfen wir nun noch meine eigene Scheiße: Ich habe sie betrogen und außerdem wäre da noch meine Unfähigkeit ihr zu vertrauen und die daraus resultierende extreme Eifersucht und fertig ist der Altlastenscheißekuchen.
Das alles reicht zwar schon um einer Beziehung nicht die aller besten Vorraussetzungen auf Erfolg zuzusprechen, allerdings kommen jetzt noch die Aussichten in die Zukunft: Mehrere Jahre werden wir in einer Fernbeziehung leben müssen, drei Halbjahre davon sogar in absoluter Fernbeziehung, also nichts mit mal eben am Wochenende rüberfahren. Der Gedanke, dass sie ein Problem damit hat allein zu sein und dass in den langen Zeiten, die wir nicht beeindander sein können, all die Typen mit denen sie sich im letzten halben Jahr vergnügt hat, ihr wesentlich näher sein werden als ich, beruhigt nicht wirklich. "Ich habe mich mit ihnen gut verstanden und es war mehr als Freundschaft" tut weh beim hören, macht mir aber nun nicht unbedingt mehr Sorgen als Typen, mit denen sie täglich Kontakt hat, nämlich folgende: "Ja, er wollte was von mir, aber er hat jetzt ne Freundin und nun sind wir nur Freunde".
Um nun zum Ende zu kommen: All das zerreißt mich innerlich aber mit genug Liebe und Optimismus könnten all diese Dinge nur als Hürden gesehen werden. Eine Sache, die ich mir jedoch nicht als Hürde schön reden kann, ist die Tatsache, dass ich in all der Zeit, auch als sie mich verlassen und verarscht hat kein Problem damit hatte zu sagen, dass ich sie liebe. Jetzt ist sie wieder da, das ist es, was ich ich mir ein halbes Jahr gewünscht habe. Aber ob die Person, die zurück gekommen ist noch die Person ist, die ich liebte und immer noch liebe, das weiß ich nicht, da liegt der Grund meiner Unsicherheit. Ich kann ihr nicht sagen, dass ich sie liebe, weil ich nicht weiß ob sie überhaupt die Person ist, die ich liebe.
Leider habe ich es in diesem Beitrag nicht geschafft meine geringschätzende Meinung über mich selbst zum Ausdruck zu bringen. Wie gesagt, es fällt mir wesentlich einfacher ihre Fehler aufzuzeigen, als meine eigenen (ein) zu sehen. Aber innerlich steh ich da und kröne mich selbst zum König der Dummen, der Unüberlegten, der Unentschiedenen... und auch zum König derer, denen man es nie recht machen kann.

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