Schon lange hat es keine Zivildienstgeschichte mehr gegeben. Entweder liegt es daran, dass ich mich an den ganzen Wahnsinn dort schon gewöhnt habe und deshalb nichts mehr darüber zu berichten weiß oder weil nichts spannendes mehr passiert ist. Oft waren die Geschichten recht lustig, daher gibts jetzt mal einen kleinen Ausschnitt, warum die Arbeit auch manchmal ganz schön belastend sein kann: Abgesehen davon, dass wir statt fünf zur Zeit nur noch zwei Zivis sind und trotzdem alle Fahrten machen müssen, kommen wir natürlich fast überall zu spät und alles verschiebt sich ewig nach hinten und seit mehreren Wochen bin ich schon nicht mehr pünktlich zu Hause gewesen. Das ist zwar ärgerlich, weil wir auch jeden Tag etliche Beschwerden abbekommen aber was wirklich blöd ist, ist wenn man so ein bisschen manche menschliche Schicksale mitbekommt. Da gibt es zum Beispiel vier Brüder, im Alter von sechs bis zehn, die ich fast täglich fahre und die wirklich sehr nett und liebenswürdig sind, was in dem Kinderheim eine Seltenheit ist. Jetzt sieht es so aus, als ob die vier getrennt werden und in separate Pflegefamilien kommen. Außerdem habe ich heute ein elfjähriges Mädchen aus der Schule abholen sollen. Eine so genannte "Notaufnahme", denn sie ist erst wenige Tage im Heim. Als sie mich sah (ich wusste nicht wer sie ist, denn ich hatte sie vorher noch nie gesehen), lief sie weg und fing an zu weinen. Dann flehte sie mich die ganze Zeit an "Ich will nicht ins Heim, ich will zu meiner Mama", "Ich will bitte, bitte nicht ins Heim." usw. Ich kann da natürlich nicht viel machen außer mich mit ihr unterhalten und sie abzulenken und zu trösten. Trotzdem fühle ich mich in solchen Situationen immer wie ein Hänker Henker, weil ich ja dann "Schuld" bin, dass sie ins Heim müssen. Doof.
Donnerstag, 6. Dezember 2007, 18:42